245 Prozent Wachstum – und die meisten Unternehmen schauen zu
KI-Kompetenz ist nicht mehr Nice-to-have. Sie ist die neue Basiskompetenz auf dem globalen Arbeitsmarkt.
Das ist keine Vermutung, sondern eine Erkenntnis aus dem Skills Economy Report 2026 von Cornerstone OnDemand. Basierend auf 28 Terabyte Arbeitsmarktdaten aus über 200 Ländern zeigt der Report: Die Nachfrage nach KI- und Machine-Learning-Kompetenzen ist seit 2023 um 245 Prozent gestiegen. Damit hat KI erstmals in über einem Jahrzehnt die Kommunikation als weltweit meistgefragten Skill abgelöst.
Gleichzeitig zeigt der State of Skills Intelligence Report 2025 von Workera eine ernüchternde Realität: 63 Prozent der Personalverantwortlichen glauben, ihre Organisation sei in zwei Jahren AI-ready. Unter den Mitarbeitenden teilen das gerade einmal 22 Prozent. 70 Prozent der Beschäftigten geben an, im vergangenen Jahr kein einziges KI-spezifisches Training erhalten zu haben.
Diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist kein Randphänomen. Sie ist ein strukturelles Problem – und für IT-Dienstleister eine strategische Chance.
Der Great Skills Merge: Warum es nicht mehr reicht, nur IT zu können
Cornerstone nennt den aktuellen Wandel den Great Skills Merge. Die klassische Trennung zwischen technischen und sozialen Berufen löst sich auf. Datenkompetenz wird in kundenbezogenen Rollen um 22 Prozent stärker nachgefragt. Emotionale Intelligenz steigt in technischen Rollen um 95 Prozent.
Parallel dazu sinkt die Nachfrage nach Routinetätigkeiten massiv: Kundenservice minus 45 Prozent, Verwaltungsunterstützung minus 38 Prozent, Vertrieb und Marketing minus 22 Prozent.
Was bedeutet das? Wer heute ein IT-Team aufbaut oder einen Kunden berät, braucht nicht nur jemanden, der Server konfiguriert oder Firewalls einrichtet. Er braucht jemanden, der versteht, wie KI Prozesse verändert, wo sie sinnvoll eingesetzt wird – und wo nicht.
KI-Kompetenz ist kein Spezialistenthema mehr. Sie ist die neue Grundlage für jede Beratungsleistung, die IT-Dienstleister erbringen. Wer seinen Kunden heute keinen KI-Kontext liefern kann, verliert nicht nur Projekte – er verliert Relevanz. – Ingo Lücker, Gründer der KI LEAGUE

Die regulatorische Realität: KI-Kompetenzpflicht gilt bereits
Seit dem 2. Februar 2025 ist Artikel 4 der EU-KI-Verordnung in Kraft. Er verpflichtet alle Unternehmen – unabhängig von Größe oder Branche –, sicherzustellen, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt.
Noch gibt es keine direkten Bußgelder für Verstöße gegen Artikel 4. Aber: Ab August 2026 beginnen die nationalen Marktaufsichtsbehörden mit der aktiven Überwachung. Und wer durch fehlerhafte Nutzung eines KI-Systems einen Schaden verursacht, kann schon jetzt haftbar gemacht werden, wenn keine angemessenen Schulungsmaßnahmen nachweisbar sind.
Für IT-Dienstleister entsteht hier ein doppeltes Handlungsfeld: Sie müssen ihre eigenen Teams schulen. Und sie können ihre Kunden beim Aufbau der geforderten KI-Kompetenz unterstützen. Wer das kann, hat ein neues, skalierbares Geschäftsfeld.
Was das für IT-Dienstleister konkret bedeutet
Die Zahlen aus dem Cornerstone-Report sind global. Aber sie lassen sich sehr direkt auf den deutschen IT-Dienstleister-Markt übertragen:
- Deine Kunden erwarten zunehmend KI-Kompetenz als Bestandteil jeder IT-Beratung – nicht als Zusatzleistung.
- Die KI-Kompetenzpflicht nach EU AI Act betrifft auch deine Bestandskunden. Wer ihnen beim Aufbau hilft, bindet sie langfristig.
- Hybride Kompetenzprofile werden zum Standard: Techniker brauchen Beratungskompetenz, Berater brauchen technisches KI-Verständnis.
- Einstiegsjobs in der IT verändern sich grundlegend – das betrifft dein Recruiting und deine Ausbildungskonzepte.
Der Report zeigt außerdem: Weltweit sind 1,6 Millionen KI-Stellen unbesetzt. 46 Prozent des Codes auf GitHub werden heute von KI geschrieben. Über 90 Prozent der Fortune-100-Unternehmen setzen KI-Coding-Tools produktiv ein.
Die Frage ist nicht mehr, ob KI den IT-Dienstleister-Markt verändert. Sondern wie schnell du darauf reagierst.
Die eigentliche Gefahr ist nicht, dass KI Jobs ersetzt. Die Gefahr ist, dass Unternehmen ihre Leute nicht mitnehmen. Wer seine KI-Strategie nicht bis zu den Mitarbeitenden durchträgt, hat bereits verloren. – Kian Katanforoosh, CEO von Workera
Die Einstiegsjob-Falle: Warum du jetzt in Nachwuchs investieren musst
Ein oft übersehener Befund des Reports: Bis zu 30 Prozent der typischen Einstiegsaufgaben in der IT lassen sich automatisieren. Das klingt nach Effizienzgewinn – ist aber auch ein Risiko.
Denn wenn klassische Junior-Aufgaben wegfallen, verschwinden auch die Räume, in denen Nachwuchskräfte lernen und Erfahrung sammeln. Cornerstone warnt ausdrücklich vor einer strukturellen Unterversorgung mit qualifizierten Fachkräften, weil Entwicklungspfade wegbrechen.
Für IT-Dienstleister heißt das: Wer jetzt nicht bewusst neue Lernformate und Entwicklungspfade für Berufsanfänger schafft, hat in drei bis fünf Jahren ein echtes Fachkräfteproblem – zusätzlich zum ohnehin angespannten Markt.
Einordnung: Was jetzt sinnvoll ist – und was nicht
Sinnvoll ist:
- Einen strukturierten KI-Kompetenzplan für das eigene Team entwickeln – nicht nur einzelne Workshops, sondern ein kontinuierliches Programm.
- KI-Beratung als festen Baustein ins Portfolio aufnehmen. Die Nachfrage ist da. Die regulatorische Pflicht auch.
- Nachwuchsentwicklung aktiv umbauen: Neue Lernformate, Mentoring-Programme und praxisnahe KI-Projekte für Berufsanfänger schaffen.
- Sich mit anderen IT-Dienstleistern austauschen, die den gleichen Weg gehen. Erfahrungen teilen statt allein experimentieren.
Nicht sinnvoll ist:
- Abwarten, bis der Markt sich sortiert hat. Der Markt sortiert sich gerade – und wer nicht mitsortiert, wird sortiert.
- KI als reines Technik-Thema in der IT-Abteilung parken. KI-Kompetenz ist Geschäftsführungsthema.
- Auf Einzelmaßnahmen setzen statt auf eine Strategie. Ein Workshop macht noch keine KI-Kompetenz.
- Die Kompetenzpflicht nach EU AI Act ignorieren, weil noch keine Bußgelder drohen. Die Haftungsrisiken bestehen schon jetzt.
Einladung zum nächsten KI LEAGUE Live Talk
Der Live Talk richtet sich bewusst an IT-Dienstleister und Systemhäuser, die KI einordnen wollen. Die Teilnahme ist kostenlos – der Austausch ausdrücklich erwünscht.
Einladung zur KI LEAGUE
Die KI LEAGUE ist der Ort für IT-Dienstleister, die KI nicht hypen, sondern verstehen wollen. Als Plattform für Einordnung, Austausch und kritische Diskussion – jenseits von Buzzwords und Produktversprechen.
Jetzt informieren und dabei sein
Quellen:
1. Haufe: Skills Economy Report
2. Cornerstone: Skills Economy Report 2026
3. Workera: State of Skills Intelligence Report 2025
4. EU AI Act, Artikel 4




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